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FROM LONDON TO HANNOVER – ONE YEAR ON

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via pinterest.com

Heute vor einem Jahr hatte ich meinen ersten Arbeitstag meines neuen Jobs in London. Jetzt, 365 Tage spaeter, habe ich bereits fast 4 Monate meiner neuen Anstellung in meiner Heimatstadt Hannover hinter mir.
Es ist noch immer ein klein wenig ueberwaeltigend, wenn ich an diesen ersten Tag damals denke. Ich war extrem nervoes! Mit Bauchschmerzen, leichter Uebelkeit und zittriger Stimme. Aber – und so ist ja meisten – besonders schlimm war es letztendlich gar nicht. Vor Allem war es leider eins im Besonderen – enttaeuschend!
Wenn man ein neues Abenteuer beginnt, denkt man oft, dass es alles andere in den Schatten stellen wird. Ich hatte vor meiner Zeit in Muenchen bereits einige Jahre in London in einem kleinen feinen Buero gearbeitet, aber nie in einem so Grossen – auch nicht in Muenchen. Meine Gedanken waren ueberall: Wie laeuft das eigentlich in einem so grossen Buero? Was darf ich wohl alles machen mit meiner Erfahrung? Startet jetzt die ganz grosse Karriere? Verstehen alle mein Englisch? Verstehe ich ueberhaupt die anderen? Sind das nette Menschen in einem so grossen Buero? Werde ich in einem so grossen Buero vielleicht sogar die grosse Liebe finden? (Ja, dass habe ich mich ernsthaft gefragt!) …und so weiter.
 
Die Antworten zu all den Fragen sind fast ausschliesslich negativ. Schon am ersten Tag war die Enttaeuschung gross. In einem grossen Buero bedeutet vor Allem eins: Du bist nur irgendeine Nummer.
Ich war damals startklar, hoechst motiviert und neugierig auf das was kommt. Am Ende kam nichts. Die gesamte erste Woche habe ich nichts getan, ausser ein Tutorial fuer ein Programm abzuarbeiten, was ich perfekt beherrsche (keine Widerrede in dem Fall), saemtliche Handbuecher fuer Angestellte, IT-Nutzung, usw. durchzulesen bzw. stellenweise sogar persoenlich informiert zu werden, mir Vortraege von der Personalchefin anzuhoeren, wie man sich im Brandfall, Belaestigungsfall, Krankheitsfall usw. verhaelt und mich ein wenig in das Projekt eingelesen (mehr durfte ich nicht). Nach 3 Tagen dachte ich bereits an Kuendigung. Mir war selten so langweilig. Mein ‘Team’ arbeitete wie verrueckt mit Deadlines und ich wollte nur eins, mitmachen! Aber ich durfte schlichtweg nicht! Das war verrueckt! Trotz Proteste meinerseits ab Tag 3 und sogar von Seiten meines Projektleiters – die Einfuehrungswoche wurde knallhart durchgezogen.
Nach dieser Woche war meine Motivation weg und sie sollte auch bis zum Ende nicht wirklich zurueckkommen.
Das Problem war im Besonderen, dass ich in genau dieser Woche die Chance auf wirklich tolle Aufgaben verpasst hatte. Als es in der zweiten Woche auch fuer mich losging und ich auch endlich (!) an Teamsitzungen teilnehmen durfte, gab es fuer mich nichts mehr zu tun – ausser den anderen zu helfen! Da sass ich also, mit mehr Erfahrung als die meisten meines Teams, und durfte nur zuarbeiten. Einmal haben bei einem Teammeeting, so ungefaehr 1 Monat nach meinem Start, alle ihre Aufgaben von unserem Projektleiter erhalten – ausser mir! Das Teammeeting war dann beendet und ich wartete noch immer auf meine Aufgabe. Wie auch der oberste Chef, der bei diesem Meeting ausnahmsweise mit von der Partie gewesen ist und unseren Projektleiter dann fragte ‘Wieso hast Du Susanne keine Aufgabe gegeben?’ ‘Oh, das habe ich ganz vergessen….’ Die Notaufgabe, die ich dann erhielt lautete ‘Mach’ doch mal die Marketingplaene fuer das ganze Projekt’ und ich mir dachte ‘Yo, super Aufgabe fuer eine eingetragene Architektin! Sehr gute Wahl!’. Ich habe es gemacht – und zwar mit Bravour! Einfach auch, weil ich es zeigen wollte, dass ich fuer diese Art Arbeit vollkommen ueberqualifiziert bin. Irgendwann durfte ich dann ein ‘Package’ (heisst, Ausfuehrungsplanung) leiten. Zwar nur das fuer ‘Blockwork’ (Mauerwerksbau), aber immerhin.
Schlimmer waren aber noch die Arbeitsbedingungen und Kollegen. Laut meinem Vertrag hatte ich eine 38,5 Stundenwoche. Darauf hatte ich mich schon gefreut und von der Regelung wurde mir sogar waehrend meines Vorstellungsgespraeches vorgeschwaermt.  ‘Wir stellen unsere Angestellten an die erste Stelle!’ Fakt war, niemand hat 38,5 Stunden in der Woche in diesem Buero gearbeitet. Auch keine 40. Wir haben alle weit mehr als 40 Stunden pro Woche in diesem Buero verbracht. An manchen Tagen sogar bis spaet in die Nacht. Die spaeteste Feierabend war einmal um 01:30 Uhr in der Frueh. Ich hatte in der Nacht wirklich Glueck, dass ich gerade noch irgendwie die letzte Tube nach Hause geschafft hatte! Und am naechsten Tag ging es natuerlich puenktlich weiter. Ueberstunden machen mir im Grunde nichts aus, die gehoeren in diesem Beruf (leider) dazu, aber mehr als 10 Stunden am Tag ueber einen laengeren Zeitraum zu arbeiten ist alles andere als gesund. Und so fing ich an mich umzusehen. Erst in London, spaeter dann auch zu Hause. Wobei mir dort nur eine einzige Stellenanzeige in den Schoss fiel – die von meinem jetzigen Buero. Noch am Abend der Entdeckung schickte ich denen eine eMail und fuehrte ein paar Tage spaeter mit meinen jetzigen Chefs ein Skype-Gespraech vor der Tate Modern – waehrend meiner Mittagspause. Die Zusage kam prompt und zwei Wochen spaeter haben wir uns, um sicher zu gehen, in Hannover verabredet. Passte. Einen weiteren Monat spaeter packte ich meine Koffer in meiner Host-Family (ich hatte in all den Monaten keine WG gesucht, Vorahnung?) und flog wieder nach Hannover.
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via sarastrand.no

Letztendlich bin ich froh, dass es so gekommen ist. Denn auch der ein oder andere Kollege in einem so grossen Buero war mit Vorsicht zu geniessen. Dazu sage ich nur ‘Ellenbogen, ole!’. Besonders in meinem Team war so ein ganz besonders tolles Ellenbogen-Arschloch-Exemplar. Es gibt ja immer mal Menschen, mit denen man einfach nicht kann – aber mit ihm konnte man noch nicht einmal vernuenftig arbeiten! Der war immer darauf aus, dass er besser aussieht vor Vorgesetzten – und er war oder ist auch so ein Kandidat, der keine Hemmungen hat anderen die Schuld unterzujubeln. Ganz gefaehrlich. Die anderen Kollegen, und es waren ja ueber 60, waren eigentlich ganz nett. Es gab in diesem Buero verschiedene Cliquen. Die lustigen Iren, die alle um sich gescharrt haben (hier war es ganz schwer reinzukommen fuer Neue) – nur um mal eine zu nennen. Wer drin sein wollte, musste jeden Tag mit ihnen seine Mittagspause verbringen – und auch die Freizeit. Wer das hin und wieder nicht gemacht hat, war raus. Und dann kam auch nur noch schwer wieder rein. Anstrengend. Ich war in all den Monaten irgendwo zwischen den ‘Cliquen’. Und wie ich, haben das auch zwei sehr nette Kolleginnen gehalten. Wir drei haben dann auch des oefteren mal zusammen die Pause verbracht.
Seltsam war in diesem Buero auch, dass es so unglaublich still war den ganzen Tag. Die Jahre zuvor hatte ich ja in kleinen Architekturbueros gearbeitet – wo ich alles gemacht habe. Jetzt konnte ich noch nicht einmal das Telefon bedienen oder Anrufe entgegen nehmen. Dafuer gab es ja den Empfang. Aber auch sonst haben die Telefone auf meinem ‘Floor’ kaum geklingelt. Es unterhielt sich auch niemand! Wirklich niemand! Stattdessen bemerkte ich nach einigen Wochen, dass sich alle private eMails schreiben. So habe ich dann auch irgendwann begriffen, warum immer alle genau wussten, wer wann und wo zusammen Pause macht.
Aber genug davon…. mein neues Buero in Hannover. Es ist wieder ein Kleines. Ich habe drei Chefs und zwei Kollegen – plus zwei Studenten. Es macht Spass! Wir reden miteinander, die Telefone klingeln, alle sind freundlich und aufgeschlossen – und ich kann endlich wieder ich selbst sein! Jeden einzelnen Tag! Das ist unglaublich befreiend.
Auch wenn ich nicht mehr in meiner zweiten Heimat London lebe, Hannover ist auch nicht zu verachten. Ich habe meine eigene Wohnung, meine eigenen Moebel und meine Familie um mich – und kann Freunde in London oder auch einfach nur ‘mein London’ jederzeit besuchen. Schliesslich fliegt man gerade einmal 50min von Hannover aus in die britische Hauptstadt.
Im Dezember war bereits wieder in London zu einer wunderbaren Weihnachtsfeier mit ein paar Freunden – und mit diesen Kurztrips kann ich meine Stadt auch endlich wieder in einer Form geniessen, wie es mir die Monate vorher nicht moeglich gewesen ist. Und genau das macht mich gluecklich – neben dem neuen, wirklich angenehmen Job.
‘Change’ kann manchmal auch ganz gut sein, stimmts?
 Susu x

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